Archiv für den Monat: September 2009

Kleiner Zipfel

Augmented Reality (deutsch: erweiterte Realität) ist die neue Killerapplikation für iPhone & Co, oder wie andere sagen: The Next Big Thing. Auch die Erotikbranche bastelt bereits fleissig an heißen Anwendungen. Wer eine gute Einführung zu diesem Thema sucht, der sollte sich die Keynote von Bruce Sterling ansehen.

Der Triumph der Barbusigkeit

Gastbeitrag von Spießer Alfons

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und nun, eine Woche vor der Bundestagswahl, wirbt eine neue Partei: „Triumph“ heißt der Verein und führt eine Krone im Namen. Vermutlich eine Partei der Monarchisten, die endlich wieder an die Macht kommen wollen, „damit es aufwärts geht!“ Und darum sollen wir „Triumph“ wählen. Wer das tut, erhält für seinen alten BH 5 € – siehe das Wahlplakat!

Zwar hat Alfons keinen alten BH, aber die abgebildete Kandidatin der Partei, die hat das Interesse des Spießers geweckt. Doch wie soll es in Deutschland wieder aufwärts gehen mit „Triumph“…? Vielleicht ist gemeint: Wenn Deutschlands Frauen ihren alten BH abnehmen und wieder barbusig vor uns Männern stehen, dann geht es aufwärts unterhalb unseres Nabels? In der Tat, das würde vermutlich die Geburtenrate erhöhen.

Allerdings hat Alfons so seine Zweifel, wenn der Spießer an die „Zauberflöte“ denkt. Nein, nicht die von Mozart, sondern eben von „Triumph“, nämlich das Push-Up-Modell „Zauberflöte“. Warum „Zauberflöte“ ? Nun, wenn die Trägerin diesen BH abnimmt, geht der Zauber flöten.

Und darum lautet der spießige Wahlslogan: „Freiheit für die Brüste der Frau!“ Evas Töchter sollen ihren alten Push-Up eintauschen gegen 5 €, die sie wiederum in jedem Café tauschen können, und zwar gegen Kaffee & Kuchen.

Wunderbar statt Wonderbra! Das krönt die Figur.

Triumph - Damit es aufwärts geht

Fucking

Fucking ist ein kleiner Ort in Oberösterreich mit rund 100 Einwohnern.

AFP berichtet:

British tourists have left the residents of one charming Austrian village effing and blinding by constantly stealing the signs for their oddly named village.

While British visitors are finding it hilarious, the residents of Fucking are failing to see the funny side.

Only one kind of criminal stalks the sleepy 32-house village near Salzburg on the German border – cheeky British tourists armed with a sense of humor and a screwdriver.

But the local authorities are hitting back with the signs now set in concrete, police chief Kommandant Schmidtberger is on the lookout.

“We will not stand for the Fucking signs being removed,” the officer said.

“It may be very amusing for you British, but Fucking is simply Fucking to us. What is this big Fucking joke? It is puerile.”

Local tourist guide Andreas Behmueller said it was only the British that had a fixation with Fucking.

“The Germans all want to see the Mozart house in Salzburg,” he explained. “Every American seems to care only about ‘The Sound of Music’ (the 1965 film shot around Salzburg.) The occasional Japanese wants to see Hitler’s birthplace in Braunau.”

“But for the British, it’s all about Fucking.”

Guesthouse manager Augustina Lindelbauer described the village’s breathtaking lakes, forests and vistas. “Yet still there is this obsession with Fucking,” she said. “Just this morning I had to tell an English lady that there were no Fucking postcards.”

Ähnliche Phänomene gibt es in den bayerischen Ortschaften Kissing und Petting.

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Foto: Wikipedia

Zensur und Internetverbot für Kinder

Gastbeitrag von Timo Rieg

Landesmedienanstalten haben ein erhebliches Problem: Kein Mensch braucht sie. Das wäre nicht so schlimm und das Schicksal so vieler Behörden, wären sich dessen nur wenigsten viele Menschen bewusst. Doch zum Bedauern der weltfern organisierten Behördianer müssen sich nur ein paar private Rundfunkveranstalter mit ihnen herumärgern, das Gros der Bevölkerung ahnt nichteinmal, was die Bundesländer da geschaffen haben.

Darum ist es schon lange das Bestreben der Landesmedienanstalten, allen voran der nordrhein-westfälischen LfM, ihre Kontrollmacht in Bereiche auszudehnen, die den Bürgern lieb und teuer sind. Und da wäre vor allem das Internet zu nennen. (Der Weg dahin ist gar nicht so steil, wie es Außenstehenden erscheinen mag: Man deklariert einfach kurzerhand einen großen Teil der Web-Angebote als “Rundfunk” und ist mithin für diesen Bereich des Internets zuständig, der Rest wird mit Stichworten wie Medienbildung, Bürgermedien oder Jugendmedienschutz der eigenen Fuchtel unterworfen – so grob skizziert der Plan.)

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Dänemark lockt mit One-Night-Stands

Besoffen sein, heiße Blondinen abschleppen und wilden Sex haben – in Dänemark offenbar kein Problem. Jedenfalls, wenn man einem Clip auf Youtube glaubt. In dem Video sucht die attraktive “Karen” einen Touristen. Er soll der Vater des Babys sein, das die junge Frau während ihres Statement auf dem Arm hält. “Karen” hatte nämlich angeblich einen One-Night-Stand.

“Ich weiß nicht, aus welchem Land Du warst, an Deinen Namen erinnere ich mich auch nicht, aber wir hatten Sex”, sagt sie und ergänzt: “Wenn es Dich draußen gibt und Du diese Botschaft siehst, dann bitte melde Dich.”

Mehr als 900.000 Internetnutzer haben das Video auf Youtube inzwischen gesehen. Viele haben “Karen” anschließend ihr Mitgefühl bekundet. Doch dann stellte sich heraus, dass die Geschichte des Videos erfunden ist. “Karen” ist eine Schauspielerin, und das Baby gehört nicht zu ihr. Es handelt sich um einen Gag der dänischen Tourismusbehörde, um ausländische Touristen anzulocken.

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Im Bett mit Hitler

Bei Werbung rund um das Thema Verhüterli und AIDS müssen neuerdings Massenmörder ihre Gesichter hinhalten. Etwa für Plakate von Doc Morris (Mao Tse-tung, Adolf Hitler, Osama bin Laden) oder für die aktuelle Kampagne des Vereins Regenbogen zum Welt-AIDS-Tag (Adolf Hitler, Saddam Hussein, Josef Stalin). Der mediale Schluckauf ist vorprogrammiert.

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PS: Früher genügte kondomisiertes Obst und Gemüse.

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Schwedischer Porno mit Steuergeldern gedreht

In Stockholm feierte diese Woche der Film Dirty Diaries seine Premiere. In zwölf pornografischen Kurzgeschichten, die mit Handys aufgenommen wurden, geht es heiß zur Sache. “Wir zeigen Sexualität aus der weiblichen Perspektive”, sagte die feministische Regisseurin Mia Engberg. “Der Film wurde nicht gemacht, um Männern zu gefallen oder damit Geld zu verdienen.” Während sich die Künstlerin also wenig Gedanken um Kosten und Ertrag macht, hat die Filmfinanzierung in der schwedischen Öffentlichkeit durchaus Diskussionen verursacht: “Dirty Diaries” wurde nämlich mit 500.000 Kronen (rund 50.000 Euro) vom staatlichen Filminstitut gefördert. Uppsala.

Ganz andere und ernstere Sorgen plagen die deutsche Filmförderungsanstalt. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht am 25. Februar 2009 das Filmförderungsgesetz (FFG) für verfassungswidrig erklärte, ist die Filmfinanzierung in eine große Krise gestürzt. Begonnen hatte der Rechtsstreit bereits vor fünf Jahren. Damals klagten mehrere große Kinoketten gegen die Heranziehung zur Zwangsabgabe. Die Kinos wollten die so genannte Filmtheaterabgabe nicht mehr bezahlen, die 2004 von zwei auf drei Prozent des Umsatzes erhöht wurde. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Klagen und erachtete den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Abgabengerechtigkeit (Art. 3 Grundgesetz) für verletzt, weil Fernsehveranstalter ihren Kostenbeitrag mit der Filmförderungsanstalt – im Gegensatz zu den Kinos – frei aushandeln können. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

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Foto von Dirty Diaries.

Quellen:

The Local

Bundesverwaltungsgericht, Az.: 6 C 47.07 bis 50.07 und 6 C 5.08 bis 9.08.

20 Millionen Dollar wegen Pixelpornos

Der Game-Publisher TakeTwo hat sich im Rechtsstreit um die Nacktszenen in “Grand Theft Auto: San Andreas” verglichen. Die Freischaltung der expliziten Körperdarstellungen über die berüchtigte “Hot Coffee”-Modifikation zog eine Sammelklage in den USA nach sich und kostete das Unternehmen nun 20 Millionen US-Dollar.

Der Fall sorgt in zweierlei Hinsicht für Kopfschütteln. Einerseits wurde die Modifikation nicht von den Entwicklern selbst veröffentlicht. Andererseits scheinen die klagenden Parteien, vorwiegend Eltern von GTA-Spielern, nur Probleme mit der Pixel-Pornografie, aber nicht mit den Gewaltdarstellungen zu haben.

Die Empörung der Eltern zog weitere Konsequenzen nach sich. Nach dem Erscheinen des “Hot Coffee”-Mods musste TakeTwo die Alterseinstufung von Mature (ab 17) auf Adults Only (ab 18) erhöhen und unterlag damit weitreichenden Werbe- und Vertriebsbeschränkungen.

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Screenshot von Wikimedia

Quelle: Der Standard

Geziemliche Sittlichkeit und Verlockungen fleischlicher Lust

Ein wunderbares Pamphlet, nämlich die “Sittenstrafordnung für Dirnen des Heidelberger Kurfürsten Ott-Heinrich” aus dem Jahr 1532, hat Jurakopf ausgegraben:

Wir, Ota-Henricus, Pfalzgraf bey Rheyn und des Reiches durchlauchtiger Churfürst, ordnen hiermit an und bestimmen, dass sich all seyne Unterthanen, gleich wess Standes, geziemlicher Sittlichkeit zu befleyssigen und den Verlockungen fleischlicher Lust zu enthalten haben, wenn sie nicht dieneten zum Segen der Zeugnis.

Sollen deswegen sich die ledigen Weibspersonen keusch halten bis zur Ehen, und dieda, so solches missachten und nur zu ihrer Freuden sich lassen von Mannsleut beschlafen oder gar solche hierzus verführen, ihnen gar dafür noch Münz oder Wertens abnehmen, sollen strenglicher Straff unterzogen werden sonder Gnaden, so sie seyn ehrlos und ihnen gebühret Schanden und harte Peynen…

Weiter.

Kvindehus

Foto von Wikimedia.