{"id":5899,"date":"2011-03-24T08:08:03","date_gmt":"2011-03-24T07:08:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pornoanwalt.de\/?p=5899"},"modified":"2011-03-29T14:28:24","modified_gmt":"2011-03-29T12:28:24","slug":"arschlecken24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pornoanwalt.de\/?p=5899","title":{"rendered":"ARSCHLECKEN24"},"content":{"rendered":"<p>Beschluss des Bundespatentgerichts vom 9. Februar 2011 (Az.: <a href=\"http:\/\/www.pornoanwalt.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/26031_10-09.02.2011.pdf\">26 W (pat) 31\/10<\/a>) zur Eintragung der Wortmarke ARSCHLECKEN24:<\/p>\n<p>Einer Eintragung des angemeldeten Zeichens steht das Schutzhindernis des <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/markeng\/__8.html\">\u00a7 8 Abs. 2 Nr.5 MarkenG<\/a> entgegen. Das Zeichen versto\u0308\u00dft gegen die guten Sitten.<\/p>\n<p><!--more-->Der Begriff der guten Sitten ist der sittlichen Auffassung, dem \u201eAnstandsgefu\u0308hl aller billig und gerecht Denkenden\u201c (vgl. BGHZ10, 228, 232) zu entnehmen. Dabei kommt es nicht auf eine Mehrheit im rechnerischen Sinne, sondern darauf an, ob eine Marke geeignet ist, das Empfinden eines beachtlichen Teils der beteiligten Verkehrskreise zu verletzen, indem sie sittlich, politisch oder religio\u0308s ansto\u0308\u00dfig wirkt oder eine grobe Geschmacksverletzung entha\u0308lt (BGH GRUR1964, 136, 137 -Schweizer). Die sittliche Ansto\u0308\u00dfigkeit oder grobe Geschmacklosigkeit ist stets im Hinblick auf die betroffenen Waren zu beurteilen. Ma\u00dfgeblich hierfu\u0308r ist die weder u\u0308bertrieben laxe, noch besonders feinfu\u0308hlige Meinung des durchschnittlich informierten, aufmerksamen und versta\u0308ndigen Durchschnittsverbrauchers (vgl. BPatG PAVIS PROMA 24W(pat)140\/01 \u2013Dalai Lama; BPatG Mitt. 1983, 156 -Schoasdreiber; BPatG PAVIS PROMA vom 21.09.2005 -26W(pat)244\/02-Ficke). Dabei darf nicht unberu\u0308cksichtigt bleiben, dass die Verkehrsauffassung Vera\u0308nderungen unterliegt und von einer fortschreitenden Liberalisierung der Anschauungen u\u0308ber Sitte und Moral gepra\u0308gt ist. Gleichzeitig ist die Frage zu stellen, ob der Verkehr sich daran sto\u0308ren wu\u0308rde, wenn das Zeichen durch die\u00a0 Eintragung den Anschein einer amtlichen Besta\u0308tigung erhielte (vgl. Ingerl\/Rohnke, MarkenG, 3.Aufl., Rn.278 zu \u00a78). Von der Schutzunfa\u0308higkeit eines Zeichens ist insbesondere dann auszugehen, wenn im Zeitpunkt der Entscheidung das Scham- oder Sittlichkeitsgefu\u0308hl eines wesentlichen Teils des Verkehrs durch geschlechtsbezogene Angaben verletzt wird (Stro\u0308bele\/Hacker, Markengesetz, 7. Auflage, \u00a78 Rdn.612).<\/p>\n<p>Bei Zugrundelegung dieses Pru\u0308fungsma\u00dfstabs ist die angemeldete Marke fu\u0308r die beanspruchten Waren nicht eintragungsfa\u0308hig.<\/p>\n<p>Im Deutschen etwa seit 1500 in Gebrauch, ist der im Markenwort enthaltene Imperativ bzw. Indikativ durch die in Johann Wolfgang von Goethes Go\u0308tz von Berlichingen (1773, Belagerungsszene im 3. Akt) erwa\u0308hnte, inhaltlich, stilistisch und pragmatisch schockierende Beleidigung gegenu\u0308ber dem Boten des Kaisers bekannt geworden. Im Imperativ bzw. Indikativ wird der Markenbestandteil auch heute in der deutschen Umgangssprache (vgl. Pons, Dr. Ku\u0308pper, Wo\u0308rterbuch der deutschen Umgangssprache,1997) als derbe Form provokativer Abweisung verwendet, in der zugleich Ablehnung oder Auflehnung gegen eine im Verha\u0308ltnis zum Sprecher ma\u0308chtigere, einflussreichere Person oder Institution zum Ausdruck kommen ko\u0308nnen. In dieser Eigenschaft hat das Markenwort wenig von seiner durch die gewa\u0308hlte derbe Form verursachten Schockwirkung eingebu\u0308\u00dft und wird von einem beachtlichen Personenkreis nach wie vor als sittlich ansto\u0308\u00dfig empfunden.<\/p>\n<p>Sittlichen Ansto\u00df erregt der angemeldete Wortbestandteil deshalb, weil er zugleich eine Sexualpraktik zu beschreiben geeignet ist, deren Erwa\u0308hnung das Sittlichkeitsgefu\u0308hl eines erheblichen, zu respektierenden Personenkreises verletzt, wenn dies durch den gewa\u0308hlten vulga\u0308ren Ausdruck geschieht (vgl. hierzu BGH GRUR1995, 592, 595 \u2013Busengrapscher; BPatG PAVIS PROMA, 26W(pat)107\/97 \u2013Schenkelspreizer; BPatG PAVIS PROMA 10W(pat)711\/99 -Penistrillerpfeife). Dieser Umstand steht der Vero\u0308ffentlichung des angemeldeten Ausdrucks als Bestandteil einer Marke entgegen, fu\u0308r welche eine Urkunde mit dem Bundesadler als Zeichen hoheitlicher Anerkennung verliehen wird. Eine Kennzeichnung der beanspruchten Waren -Kleidungsstu\u0308cke, Schmuckwaren und allta\u0308gliche Gebrauchsgegensta\u0308nde- mit dem angemeldeten Zeichen bra\u0308chte zudem eine Perpetuierung des als gesprochenes Wort flu\u0308chtig bleibenden Ausdrucks mit sich. Die dem Markenwort angefu\u0308gte Zahl \u201e24\u201c versta\u0308rkte diese Wirkung noch. Denn sie weist im Zusammenhang mit dem ihm vorangestellten Imperativ darauf hin, dass die derbe Form rund um die Uhr, d.h. dauerhaft zum Ausdruck gebracht werden soll (vgl. BPatG PAVIS PROMA 25W(pat)207\/01-medi-24 m. w. N).<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>via <a href=\"http:\/\/www.markenmagazin.de\/bpatg-arschlecken24-kein-markenschutz-fuer-zeichen-die-gegen-die-guten-sitten-verstossen-beschluss-vom-09-02-2011-26-w-pat-3110\/\">markenmagazin:recht<\/a><\/p>\n<p>vgl. <a href=\"http:\/\/www.pornoanwalt.de\/?p=2671\">Leck mich\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss des Bundespatentgerichts vom 9. Februar 2011 (Az.: 26 W (pat) 31\/10) zur Eintragung der Wortmarke ARSCHLECKEN24: Einer Eintragung des angemeldeten Zeichens steht das Schutzhindernis des \u00a7 8 Abs. 2 Nr.5 MarkenG entgegen. 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