{"id":11022,"date":"2014-09-01T21:46:56","date_gmt":"2014-09-01T19:46:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pornoanwalt.de\/?p=11022"},"modified":"2015-12-21T17:20:37","modified_gmt":"2015-12-21T16:20:37","slug":"intime-aufnahmen-und-viele-paragrafen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pornoanwalt.de\/?p=11022","title":{"rendered":"Intime Aufnahmen und viele Paragrafen"},"content":{"rendered":"<p>Mit juristischer Gr\u00fcndlichkeit pr\u00fcfte das Oberlandesgericht Koblenz eine Streitigkeit um intime Aufnahmen (Az.: <a href=\"http:\/\/www3.mjv.rlp.de\/rechtspr\/DisplayUrteil_neu.asp?rowguid=%7B120F3614-5F89-422F-92CB-AE0D6E695023%7D\" target=\"_blank\">3 U 1288\/13<\/a>). Die Parteien hatten in der Vergangenheit eine Beziehung. W\u00e4hrend dieser Zeit\u00a0erstellte der Beklagte, der von Beruf Fotograf ist, zahlreiche &#8222;Lichtbilder und\u00a0Filmaufnahmen&#8220;\u00a0von der Kl\u00e4gerin mit sichtbarem Intimbereich &#8222;vor, w\u00e4hrend und\u00a0im Anschluss an den Geschlechtsverkehr&#8220;. Die Kl\u00e4gerin verlangte alle Aufnahmen &#8222;vollst\u00e4ndig zu l\u00f6schen&#8220;.<\/p>\n<ul>\n<li>Die materiell-rechtliche\u00a0Pr\u00fcfung startete beim\u00a0L\u00f6schungsanspruch gem\u00e4\u00df\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bdsg_1990\/__6.html\" target=\"_blank\">\u00a7 6 Abs. 1 BDSG<\/a>,\u00a0aber kam zu einem schnellen Ende, weil &#8222;die Erhebung, Verarbeitung oder Nutzung der Daten ausschlie\u00dflich f\u00fcr pers\u00f6nliche oder famili\u00e4re T\u00e4tigkeiten erfolgte&#8220; (vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bdsg_1990\/__1.html\" target=\"_blank\">\u00a7\u00a01 Abs. 2 Nr. 3 BDSG<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bdsg_1990\/__27.html\" target=\"_blank\">\u00a7 27 BDSG<\/a>) und damit das Bundesdatenschutzgesetz nicht einschl\u00e4gig ist.<\/li>\n<li>Die &#8222;Daten&#8220; wurden auch nicht dadurch \u00f6ffentlich, dass der Beklagte sich auf die Kunstfreiheit gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_5.html\" target=\"_blank\">Art. 5 Abs. 3 GG<\/a>\u00a0beruft und Kunst \u201eauf kommunikative Sinnvermittlung nach au\u00dfen gerichtet ist\u201c, denn das Gericht ging\u00a0davon aus, dass der Beklagte den\u00a0gemachten Aufnahmen zwar einen k\u00fcnstlerischen Stellenwert beimisst, aber die Aufnahmen nicht f\u00fcr Dritte vorgesehen sind.<\/li>\n<li>Kein\u00a0Anspruch auf L\u00f6schung ergibt sich\u00a0aus dem &#8222;Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der bildenden K\u00fcnste und der Photographie&#8220;, denn gem\u00e4\u00df\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/kunsturhg\/__37.html\" target=\"_blank\">\u00a7 37 KunstUrhG<\/a>\u00a0unterliegen ausschlie\u00dflich &#8222;widerrechtlich hergestellte Exemplare der Vernichtung.&#8220; Eine widerrechtliche Herstellung liegt nicht vor, weil\u00a0die Kl\u00e4gerin\u00a0sich\u00a0f\u00fcr die &#8222;Aufnahmen mit intimen Charakter&#8220; zur Verf\u00fcgung stellte.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich f\u00fchrten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__823.html\" target=\"_blank\">\u00a7 823 Abs. 1 BGB<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__1004.html\" target=\"_blank\">\u00a7 1004 BGB (analog)<\/a> zum Erfolg. Zwar\u00a0stellten die Aufnahmen\u00a0aufgrund der Einwilligung der Kl\u00e4gerin zun\u00e4chst keinen rechtswidrigen Eingriff in das Recht am eigenen Bild dar. Allerdings war\u00a0es\u00a0beim\u00a0Vorliegen ver\u00e4nderter Umst\u00e4nde, die auf einer gewandelten inneren Einstellung beruhen, der Kl\u00e4gerin nicht mehr zumutbar, an der einmal abgegebenen Einwilligung festgehalten zu werden.<\/li>\n<li>Insoweit ber\u00fccksichtigte das Gericht, dass die Aufnahmen im privaten Bereich im Rahmen einer Liebesbeziehung gefertigt wurden und nicht im\u00a0Zusammenhang mit der beruflichen T\u00e4tigkeit des Beklagten, wodurch auch\u00a0die\u00a0Berufsaus\u00fcbungsfreiheit nach <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_12.html\" target=\"_blank\">Art.\u00a012 Abs. 1 GG<\/a> nicht ber\u00fchrt war.<\/li>\n<li>Die weiteren Rechte des Beklagten auf Eigentum gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_14.html\" target=\"_blank\">Art. 14 Abs. 1 GG<\/a>, auf Kunstfreiheit gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_5.html\" target=\"_blank\">Art. 5 Abs. 3 GG<\/a> und auf allgemeine Handlungsfreiheit nach <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_2.html\" target=\"_blank\">Art. 2 Abs. 1 GG<\/a>\u00a0mussten &#8222;im Sinne einer effektiven Grundrechtsaus\u00fcbung hinter anderen Grundrechten zur\u00fcckstehen.&#8220;<\/li>\n<li>Zur &#8222;Fortbildung des Rechts&#8220; wurde die Revision gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/zpo\/__543.html\" target=\"_blank\">\u00a7 543 Abs. 2 Nr. 2 ZPO<\/a> zugelassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Update:\u00a0Der Bundesgerichtshof hat mit <a href=\"http:\/\/www.pornoanwalt.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/vi_zr_271-14.pdf\" rel=\"\">Urteil vom 13. Oktober 2015 (Az.: VI ZR 271\/14 )<\/a>\u00a0die Revision des Beklagten zur\u00fcckgewiesen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit juristischer Gr\u00fcndlichkeit pr\u00fcfte das Oberlandesgericht Koblenz eine Streitigkeit um intime Aufnahmen (Az.: 3 U 1288\/13). Die Parteien hatten in der Vergangenheit eine Beziehung. W\u00e4hrend dieser Zeit\u00a0erstellte der Beklagte, der von Beruf Fotograf ist, zahlreiche &#8222;Lichtbilder und\u00a0Filmaufnahmen&#8220;\u00a0von der Kl\u00e4gerin mit sichtbarem Intimbereich &#8222;vor, w\u00e4hrend und\u00a0im Anschluss an den Geschlechtsverkehr&#8220;. 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